Nun ist es also vorbei, das Jahr 2024. Für viele Menschen – auch bei uns in Österreich – war es ein annus horribilis. Global gesehen prägten Kriege und Katastrophen das Jahr. Nur wenige tausend Kilometer von uns entfernt toben Konflikte, und Extremwetterereignisse, die früher Jahrzehnte auseinanderlagen, treten nun fast monatlich irgendwo auf der Welt auf. Auch Österreich blieb davon nicht verschont. Mehrfach waren wir heuer mit dramatischen Folgen der Klimakatastrophe konfrontiert, und viele Familien verloren alles, was sie hatten. Doch auch die Solidarität hat sich gezeigt. Eine enorme Welle der Hilfsbereitschaft in Form von Spenden aber auch von persönlicher Unterstützung hat gezeigt, was es heißt, Mitgefühl zu haben.
Diese Krisen hinterlassen Spuren – nicht nur materiell, sondern auch in unserer Gesellschaft. Ein Gefühl der Ohnmacht macht sich breit: Man sieht was in der Welt passiert und glaubt, nichts ändern zu können, die Dinge geschehen einfach. Manche gehen sogar so weit, Betroffenen eine Mitschuld zu geben und zu behaupten, Hilfe würde ohnehin nichts bewirken. Doch diese Haltung gefährdet unsere Solidarität. Wenn in den sozialen Medien einflussreiche Persönlichkeiten – von Milliardären bis hin zu Kampfsportlern – libertäre Werte propagieren und den völligen Rückzug des Staates fordern, wird eine gefährliche Grenze überschritten. Die Vorstellung, dass jede Form von Solidarität durch individuelle Selbstbestimmung ersetzt werden könne, opfert die Schwächsten unserer Gesellschaft. Doch diese Diskurse führen nicht nur zu einer Entsolidarisierung innerhalb der Gesellschaft, sondern beeinflussen auch geopolitische Dynamiken. Gleichzeitig mischen sich viele dieser vermeintlichen Gegner staatlicher Intervention in die Souveränität anderer Staaten ein – sei es direkt – beispielsweise in Leitartikeln oder den eigenen sozialen Netzwerken – oder durch wirtschaftlichen Druck.
Die Sicherheit, die Europa fast 75 Jahre lang geprägt hat – konfliktfreie Prosperität im Gleichgewicht der Mächte – scheint, so fürchte ich, vorüber zu sein. Ob die aktuellen Ereignisse nur kleine Vorbeben sind, die größere tektonische Verschiebungen ankündigen, kann ich nicht sagen. Aber eines ist sicher: Wir leben in Zeiten des Umbruchs. Vielleicht hat die reflexive Moderne, wie sie Soziologen nennen, ihren Höhepunkt erreicht. Vielleicht steht das Ende dieser Epoche bevor – doch was kommt danach?
Eines weiß ich: Empathie, Zusammenhalt und Solidarität werden weiterhin essenziell sein. Wir brauchen Menschen, die für andere da sind, und Organisationen, die das ermöglichen. Es braucht Zuversicht und Hoffnung, ein Hinsehen und Handeln. Ebenso wichtig ist das Vertrauen in die Zivilgesellschaft und die Unterstützung für jene Institutionen, die das soziale Netz zwischen Markt- und Staatsversagen aufrechterhalten. Denn wenn dieses Netz reißt, bleibt nichts mehr. Weder die totale Ökonomisierung noch eine vollständige Verstaatlichung haben uns bisher gerettet – und werden es auch künftig nicht tun.
Wenn 2025 ein Ziel haben sollte, dann dieses: Make Empathy Great Again – durch Zusammenhalt, Solidarität und Mut zum Handeln. Meine Wünsche für das kommende Jahr sind daher klar, wenn auch anspruchsvoll: Ich möchte weiterhin mit meiner Kraft, meinem Können und meiner Expertise dort unterstützen, wo ich Wirkung erzielen kann – im Nonprofit-Management, in der Kommunikation, im Marketing. Mein Ziel ist es, das Vertrauen in unsere eigene Organisation und in den gesamten Sektor zu stärken, um die nötigen Ressourcen bereitzustellen. Denn nur so können wir weiterhin jenen helfen, die sich selbst nicht helfen können.
Wir sind da. Aus Liebe zum Menschen.
